Duan Wasi im RSR: Hört ihr ihn?

Jeder Sportwagen hat eine Melodie. Eine ganz Besondere davon singt der Porsche 911 GT3 RSR aus dem Einsatzjahr 2006. 

Mike Rockenfeller und Klaus Graf konnten mit dem Alex Job Racing-Team einen Gesamtsieg in Reliant Park erringen und wurden am Ende der Saison Fünfter in der GT2-Wertung.

Dabei hat der 3.6 Liter Mezger-Boxer mehr als einmal seine 455PS bei 8500 Umdrehungen zum Besten gegeben. Exakt dieses Auto hat nun Duan Wasi – viele kennen ihn sicher noch von seiner Zeit bei Massive Töne – im Porsche Museum an sein Sampling-Mikro gehalten.

Wasi, der an der Popakademie Baden-Württemberg im Masterstudiengang Popular Music „Digitale Quantisierungstechniken und Sampling Konzepte im Kontext kontemporärer Hip-Hop-Musik lehrt, ist dabei überraschendes gelungen:

Man hört den RSR überhaupt nicht.

„Während die perkussiven Elemente klar ausgearbeitet sind, sodass Geschwindigkeit und Tempo deutlich zum Ausdruck kommen, werden andere Motive lediglich angedeutet. Auf den Hörer wirken sie wie Schnappschüsse“, beschreibt Duan Wasi den Sound. „Sie leben von der Reduktion auf wesentliche Elemente ihrer musikalischen Zusammensetzung und sollen ein Gefühl wie bei Steve McQueens Le Mans-Film vermitteln. Ich würde die Wirkung als hypnotisch und spannend zugleich beschreiben.“

Doch hören (sehen) sie selbst:

Was für den Einen mit geschlossenen Augen ein bisschen nach Lounge-Hintergrundmusik klingen mag, ist für den Anderen in Wahrheit tatsächlich nicht nur hohe Tonkunst, sondern vor allem das Ergebnis akribischer Sampling-Arbeit.

In mehreren Aufnahme-Sessions hat Wasi die Grundlagen für den Sound geschaffen und verschiedene Klangelemente des American Le Mans-Fahrzeugs eingefangen. „Ich habe zunächst auditive Äquivalente für Begriffe wie Druck, Form, Dynamik, Tempo oder Rotation gesucht“, so der Künstler.

Der Kunstgriff, dass im fertigen Stück überhaupt kein Fahrzeug zu hören ist, wohl aber seine Klangelemente verarbeitet sind, liegt in der Aufbereitung des Sounds:

Ähnlich wie bei einem Film, der durch Einzelbilder einen flüssigen Ablauf vortäuscht, wird bei der Granularsynthese ein kontinuierlicher Klang vorgetäuscht, der in Wahrheit aus vielen einzelnen Teilen besteht. Bei diesen Einzelteilen, den Grains, handelt es sich um sehr kurze, digitale Klangfragmente, deren Länge üblicherweise unter 50 Millisekunden liegt. Wird diese Grenze überschritten, so kann der Zuhörer das Fragment als eigenständiges Klangereignis erkennen.

Dass die Analyse der Klang-Grains schnell in die hohe Mathematik abdriftet, ja sogar auf Quantenphysik mit der Heisenbergschen Unschärferelation trifft, soll nicht näher beschrieben werden, sondern vielmehr zeigen, was technisch-analytisch alles noch geht, außer ein bisschen:

Wrrrooooaam.

Die komplette Songliste seines neuen Albums „Loop Routines“ besteht aus den im Porsche Museum mit dem 996 RSR aufgezeichneten und zu Grains verarbeiteten Sounds. Vorbestellen könnt ihr das auf 500 LP limitierte Kunstwerk mit dem fantastischen Cover-Artwork: HIER 

A1.AerodynamicsDuan Wasi03:42
A2.SundayDuan Wasi02:36
A3.Lemon SilkDuan Wasi03:04
A4.VectorcutsDuan Wasi03:09
A5.Terms OffDuan Wasi03:27
B1.We ContainDuan Wasi01:56
B2.Slide WaysDuan Wasi03:22
B3.TargaDuan Wasi02:20
B4.Gin SomeDuan Wasi03:41
B5.Le MansDuan Wasi02:19

Und, nur zum Vergleich, so klingt ein ausgewrungener 996 GT3 RSR in seinem natürlichen Betätigungsgebiet: