Im Studio: die Details des neuen Porsche 911

So schön die aufwändig produzierten Marketing-Bilder und Live-Fotos aus Los Angeles von der LA Auto Show 2018 auch sind: Man braucht ein bisschen Ruhe um den neuen Porsche 911 auf sich wirken zu lassen. Denn ein neuer Elfer ist immer etwas besonderes, bei dem vor allem die Details das Großeganze bestimmen.

Das Heck

Der elektrisch ausfahrende Spoiler zieht sich nun deutlich breiter über (fast) das ganze Heck. Er ist in verschiedenen Winkeln anstellbar und übernimmt auch beim Bremsen stabilisierende Funktion. Daneben fällt der neue Schriftzug auf: Dem „911“ wird die weitere Typbezeichnung nun tiefgestellt angehängt in einer gänzlich neuen Schriftart. Sie soll an die ersten Generationen der F-Serie anknüpfen und unterscheidet sich deutlich von der seit der Generation 964 bekannten Typo. Die Endrohre der hier abgebildeten Sport-Abgasanlage sind oval und rücken im Vergleich zur 991.2-Serie ein Stück auseinander. Im Gegensatz zum Vorgänger bleibt ihre Position auch bei der Standard-Abgasanlage gleich, nur hier mit der bekannten zweifachen Doppelendrohr-Konfiguration beim Carrera S und 4S. Die Breite der Karosserie wächst für alle Varianten um 45mm, weshalb Heck- und Allradantrieb nun über die gleiche (breite) Heckansicht verfügen. Überbreit dürften demnach wieder nur die RS-Varianten von GT2 und GT3, sowie die turbo-Modelle werden.

Die Front

Ein großer Wurf. Die Vogelperspektive ist vielleicht die Schokoladenseite des neuen 911. Die eckige Kante der Bughaube zitiert die lange vergangenen Generationen, die breiten Kotflügel (+20mm) erinnern fast an den GT3 RS, nur ohne ästhetisch fragwürdige Entlüftungen.

Die Scheinwerfer

Die nun im Vergleich zu 997 und 991 wieder deutlich steiler stehenden Scheinwerfer überführen Tradition in die Moderne. Mit einem modernen LED Matrix System wird es das PDLS Plus sowohl silberfarben, als auch geschwärzt über Porsche Exclusive geben. Beiden System gemein ist das bekannte Vierpunkt-Tagfahrlicht mittels rund um den Haupt-LED-Projektor angeordneter DRL-Spots.

Das Fahrwerk

Neben den neugestalteten Leichtbaufelgen fällt vor allem das unterschiedliche Maß auf. Wie schon von den RS-Modellen bekannt vertraut nun auf der Standard-911 auf verschiedene Rad-Durchmesser. An der Vorderachse sind es 20 Zoll und an der Hinterachse 21 Zoll messende Felgen. Damit konnte eine bessere Spreizung bei der Fahrwerksgeometrie erreicht werden, was neben dem Einlenkverhalten und der Kurvenstabilität auch der Traktion zu Gute kommt. Neben den klassischen Stahlbremsscheiben wird es wie bisher auch die PCCB-Option und gegen Ende 2019 wohl auch erstmals die aus dem Cayenne bekannte PSCB mit der Wolframkarbid-beschichteten Scheiben geben. Diese konnten wir bereits auf der Abnahmefahrt testen, aktuell sind die Bremsscheiben allerdings noch nicht in den erforderlichen Stückzahlen zu produzieren, weshalb sich der Markstart etwas verzögert.

Die Assistenzsysteme

Als Weltneuheit hat Porsche den serienmässigen Wet Mode entwickelt. Diese Funktion erkennt durch im Radkasten montierte Mikrofone Wasser auf der Strasse und konditioniert die Regelsysteme entsprechend vor. Dieser kann das Fahrzeug dann auf Tastendruck oder per Mode-Schalter am Lenkrad (Sport Chrono-Paket) besonders sicherheitsbetont abstimmen. Der ebenfalls serienmässige Warn- und Bremsassistent erkennt Kamera-basiert die Gefahr von Kollisionen mit sich bewegenden Objekten. Erstmals ist für den 911 ein Nachtsichtassistent mit Wärmebildkamera als Option lieferbar. Der auf Wunsch verfügbare Abstandsregeltempostat umfasst eine automatische Distanzregelung, eine Stop-and-Go-Funktion, einen reversiblen Insassenschutz und eine neuartige autonome Nothaltefunktion. Dazu gibt es eine 360 Grad-Kamera. Warum? Weil es geht und weil es nicht viel wiegt: Die Frontkamera wiegt 80 Gramm, die nötigen Kabel 20 Gramm.

Das Interieur

Das völlig neue Interieur ist geprägt von den klaren und geraden Linien der Armaturentafel mit der zurückversetzten Instrumentenebene. Hier standen die Elfer aus den 1970er Jahren Pate. Neben dem Porsche-typisch mittig positionierten Drehzahlmesser informieren zwei dünne, rahmenlose Freiform-Displays den Fahrer. Der jetzt 10,9 Zoll grosse Centerscreen des Porsche Communication Management (PCM) lässt sich dank der neuen Architektur schnell und sicher bedienen. Darunter befindet sich eine kompakte Schaltereinheit mit fünf Tasten für den direkten Zugriff auf wichtige Fahrzeugfunktionen. In der Digitalisierung macht der 911 mit permanenter Konnektivität sowie neuen Funktionen und Diensten den nächsten Schritt in die Zukunft. Das PCM umfasst unter anderem serienmässig eine Schwarmdaten-basierte Online-Navigation und Porsche Connect Plus.

Der Motor

Der aufgeladene Sechszylinder-Boxermotor von 911 Carrera S und 911 Carrera 4S leistet nun 331 kW (450 PS). Das entspricht einem Plus von 22 kW (30 PS) gegenüber dem Vorgängermodell. Ein verbessertes Einspritzverfahren und neu angeordnete Turbolader samt Ladeluftkühlung erhöhen den Wirkungsgrad im Antrieb. Die Kraftübertragung übernimmt vorerst nur ein neu entwickeltes Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Das manuelle Pendant lässt noch ein wenig auf sich warten. In der Beschleunigung von null auf 100 km/h unterbieten beide 911-Modelle die Vier-Sekunden-Marke: 3,7 Sekunden benötigt das hinterradgetriebene Coupé, der 911 Carrera 4S mit Allradantrieb 3,6 Sekunden. Damit sind beide Autos 0,4 Sekunden schneller als das jeweilige Vorgängermodell. Mit dem optionalen Sport Chrono-Paket erhöht sich der Vorsprung um weitere 0,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeiten betragen nun 308 km/h (911 Carrera S) und 306 km/h für die Allradvariante. Der Verbrauch des 911 Carrera S notiert mit 8,9 l/100 km nach korreliertem NEFZ, der des 911 Carrera 4 S mit 9,0 l/100 km.

Text: fm / Bilder: Porsche AG

 

Elferfreund und Journalist. Zeitweise auch KFZ-Mechaniker und Ingenieur.