(Ver-)Schlüssel(ungs-)technologie: Blockchain im Panamera

Was die Ärmelschoner-tragende schwäbische Buchhalterin und die Blockchain gemeinsam haben? Ihnen entgeht nichts. Porsche versucht sich nun erstmals in der Fahrzeugumgebung an der neuen (Ver-)Schlüssel(ungs-)technologie.

Noch bis vor ein paar Wochen schien es, als könne man nicht länger als 45 Sekunden mit jemandem reden, ohne dass sich das Gespräch plötzlich um Bitcoins drehte. Zum Glück hat sich der Hype massiv abgeschwächt, weil die Preisrallye den meisten Anlegern viel zu dramatisch war. Verstanden hatten sie den Hintergrund der Kryptowährungen sowieso nie.

Spannender aber als der bloße Invest in die einzelnen Coins oder das (mit Consumer-Hardware ohnehin schon lange unsinnige) Mining ebendieser, ist die zugrundeliegende Technologie von Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen: die Blockchain. Sie beginnt sich nun langsam in andere Themengebiete vorzuarbeiten. So arbeitet Porsche etwa mit dem Berliner Start-up XAIN zusammen, um Anwendungen für seine Fahrzeuge zu testen.

Eine kurze Erklärung – ohne dabei zu technisch zu werden: Man muss sie sich wie ein verteiltes Kassenbuch von Transaktionen vorstellen, dessen Inhalt vor, bei und nach jeder Transaktion von unabhängigen Dritten verifiziert wurde. Auf Deutsch ist es ein Protokoll von Ereignissen, das jeder Kettenteilnehmer sehen kann und das von allen überprüft wird.

Als Beispiel: wenn ich eine Schachtel Berliner zum Meeting mitbringe, sie vor aller Augen öffne, einen mit Schokoglasur herausnehme und esse – dann sieht jeder sieht die Berliner, die ich mitgebracht habe, kennen den Berliner, den ich genommen habe, und können bestätigen, dass ich ihn gegessen habe. Zack. Kalorien erklären die Blockchain.

Aber anstatt meine Kalorien zu zählen, kann die Blockchain dazu verwendet werden Daten zwischen zwei Parteien zu übertragen, ohne Angst vor Betrug zu haben.

Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Überlegen wir alleine einmal das Gebrauchtwagengeschäft. Fahrgestellnummern, Service-Nachweise, Kilometerstand. Alles ist dezentral in der Kette gespeichert. Niemand kann mehr am Tacho drehen, keine Servicestempel mehr fälschen, ja selbst Navirechner könnte man in die Chain integrieren, um sie somit unnütz für Diebe zu machen.

Natürlich ergeben sich auch neue Anwendungsfälle für den Alltag. Das Smartphone als sicherer Keyless-Go-Ersatz, ja sogar soweit schlüssellos, das man seinem Partner, den Kindern, dem Nachbar oder dem Paketboten eine temporäre Zugangsberechtigung eröffnen kann – von jedem Ort der Welt aus, ganz ohne Panik und zu jeder Zeit nachzuverfolgen. „Wir können Blockchain nutzen, um Daten schneller und sicherer zu übertragen, was unseren Kunden in Zukunft mehr Sicherheit gibt, egal ob sie ihre Elektroauto-Aufladung, Maut- oder etwa Parkgebühren bezahlen“, sagt Oliver Dörings, Financial Strategist bei Porsche. „Wir übersetzen die innovative Technologie in direkten Nutzen für den Kunden.“

Die Daten, die jedes Auto potentiell auf der Blockchain erhalten könnte, können viel weiter reichen als Service-Nachweise oder Halterhistorie. Beliebig viele Datensätze, etwa der Fahrassistenz-Sensorik, einschließlich Straßenzustand oder Verkehrsaufkommen, können hochgeladen und über die Blockchain verteilt, aggregiert, analysiert und für andere Fahrzeuge zur Interpretation verfügbar gemacht werden.

Es könnte eine große Hilfe sein die Zukunft der autonomen Autos zu gestalten.

Natürlich sind die Anwendungsfälle nicht neu und fürs Erste scheinen die Vorteile wie die Blockchain das Leben mit und im Auto verbessern kann etwas abstrakt, der wichtige Punkt hierbei ist aber, dass die Blockchain die Art und Weise, wie Daten verwendet und über die ganze Welt verteilt werden, verändern wird. Viel schwerwiegender aber noch: Sie ist die derzeit sicherste, weil dezentral gespeicherte und stark verschlüsselte Datenstruktur, die der Mensch entwickelt hat.

Elferfreund und Journalist. Zeitweise auch KFZ-Mechaniker und Ingenieur.