Eine Frage des Gefühls

Die Sportwagenikone 911 gilt seit Jahrzehnten als Inbegriff von Design- und Ingenieurskunst. Aber was genau macht den Elfer so besonders? Fabian war mit dem Porsche 911 R auf der Suche nach einer Antwort.

 

Legende, Mythos, Ikone – das, was seit Generationen in Zuffenhausen als 911 das Werk verlässt, ist eine Erfolgsgeschichte mit vielen Namen. Doch was macht den Elfer seit 1964 zu diesem besonderen Automobil, das seine Anhänger quasi heilig sprechen?

Es war 1992, als er das erste Mal vor der Haustür stand: ein Porsche 911. Eine wunderbare Erscheinung. Tiefdunkles Grau, in der Sonne glänzend, dazu diese großen Felgen, unter denen die Bremsscheiben leise knackten. Ich kam gerade mit der Nasenspitze ans Lüftergitter des Motordeckels, als sich der Elfer einbrannte. Nicht nur mit dem Auspuffrohr ins Schienbein. Sondern in den Kopf und: ins Herz. Tief ins Herz.

Der Porsche 911 ist ein unglaublich intensives Erlebnis

So wie mich meine Geschichte zum Porsche 911 verbindet, so zählt man unendlich viele. Weil es eben nicht die eine Geschichte gibt, die den Elfer beschreibt. Nein, jeder hat seine ganz eigene, persönliche Verbindung zu ihm: Den Einen hat es schon in Kindertagen erwischt, als er dem ersten 911 hinterher geschaut hat. Andere haben ihn gar nicht gesehen, sondern nur gehört. Und wer hinter dem Lenkrad Platz nahm, der konnte gar nicht anders, als ihm verfallen. Doch warum eigentlich?

Wahrscheinlich weil der Porsche 911 ein unglaublich intensives Erlebnis ist. Er ist ein sportliches Auto, aber nicht kompromisslos; er ist alltagstauglich, wunderbar klein und kompakt, trotzdem passen die Kinder hinein; er ist kein Exot und vor allem kein Schauspieler, stattdessen beinahe diskret, unauffällig.

Abstimmung von Lenkung, Schaltung, Antritt, Bremse und Geräusch

Und weil er all diese Eigenschaften seit 1964 in sich trägt, wirkt dir jeder Elfer sofort vertraut. Es fängt beim Arrangement von Sitzen, Lenkrad und den anderen wichtigen Schaltelementen an. Alles liegt schwer und fest in der Hand. Es geht um Zielen und Treffen, intuitiv, wie mit verbundenen Augen. Du wirst von nichts abgelenkt, kannst dich voll auf das Fahren konzentrieren und das Wunderbare spüren: den 911.

Dabei ist es dieses feine Herausarbeiten unterschiedlichster Einzelheiten in einer Genauigkeit, deren Zusammenschluss zu einem Werk großer Fehlerlosigkeit wird. Diese nie die Konzentration, nie den Fokus verlierende Abstimmung von Lenkung, Schaltung, Antritt, Bremse und Geräusch – es scheinen mehr Philharmoniker als Ingenieure in Zuffenhausen zu arbeiten. Denn ihre Interpretationen sind nicht nur einzigartig, sie können mit kleinen Änderungen auch ein Modell völlig verwandeln.

Dieses Gefühl eins zu sein mit dem Auto – das ist das Besondere am Elfer

Doch egal welchen du nimmst, einen schnellen, perfekten Neuen oder einen der charakterstarken Alten, eines bleibt immer gleich: Du bist der Dirigent. Du bist unmittelbar und direkt mit dem 911 verbunden. Du bist ein Teil des Erlebnisses. Und genau das – dieses Gefühl eins zu sein mit dem Auto – das ist das Besondere am Elfer. Das ist für mich das Gefühl 911.

Auf seiner Suche nach dem „Gefühl 911“ hat Fabian Mechtel zwei besondere Versionen des Elfers getestet: einen 911 Carrera RS Leichtbau in sternrubin und einem 911R in weiss. Mit Hilfe von zwei absoluten Experten führt er seinen ganz persönlichen „Supertest“ durch.

Elferfreund und Journalist. Zeitweise auch KFZ-Mechaniker und Ingenieur.